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Produktmanager:innen geben heute den Takt vor

Wie sich die Rolle des Produktmanagements grundlegend verändert

Veröffentlicht am von Brandon Harville
Produktmanager:innen geben heute den Takt vor

Wichtigste Erkenntnisse:

  • Da die Engineering-Abteilung immer effizienter wird, verlagert sich der Engpass in der Softwareentwicklung zunehmend nach vorne – weg von Kapazitätsgrenzen und hin zu Produktentscheidungen.
  • Das Produktmanagement ist keine technische, sondern eine geschäftskritische Funktion und sollte als strategischer Filter agieren.
  • KI beschleunigt die Datengrundlage für Produktentscheidungen. Welche Informationen tatsächlich relevant sind, bleibt jedoch eine Frage des Urteilsvermögens von Produktleiter:innen.
  • Wenn das Produktmanagement lediglich zwischen Stakeholder:innen und Entwicklung vermittelt, entsteht der Engpass lange bevor der Code geschrieben wird.

In der Arbeitsweise erfolgreicher Softwareunternehmen hat sich etwas geändert – und das wird nicht genug thematisiert. Die Entscheidungen darüber, was entwickelt, priorisiert oder verworfen wird, liegen zunehmend nicht mehr bei Projekt- sondern bei Produktmanager:innen.

Wie Louise Allen, Chief Product Officer von Planview, es kürzlich beim Pendomonium ausdrückte: „Produktmanager:innen geben heute den Takt vor.“

Für mich ist das Produktmanagement eine ganzheitliche Geschäftsfunktion, die die KI-Revolution entscheidend vorantreibt. Es ist ein einmaliger Moment für das Produktmanagement, anders zu denken, Bestehendes neu zu definieren und die Richtung vorzugeben.

Louise Allen, Chief Product Officer bei Planview

Das Gespräch zwischen Louise Allen und Todd Olson, CEO von Pendo, können Sie im folgenden Video ansehen.

Unternehmen, die das Produktmanagement als strategischen Kern des Unternehmens betrachten, verschaffen sich einen Vorsprung. Diejenigen, die es immer noch als Koordinationsfunktion wahrnehmen, werden sich immer wieder fragen, warum die Umsetzung ins Stocken gerät.

Und einer der Gründe ist, dass die Engpässe früher als noch vor einigen Jahren auftauchen.

Der Engpass hat sich nach vorne verlagert

Jahrelang ging man davon aus, dass die Voraussetzung für eine schnellere Bereitstellung die Optimierung des Engineering ist: straffere Sprints, bessere Tools, mehr Automatisierung, mehr Personal.

All das ist wichtig. Doch genau darin liegt heute für die meisten Unternehmen nicht mehr das eigentliche Problem. Der Engpass hat sich verlagert.

Früher war der Entwicklungsprozess der Hemmschuh, doch das ändert sich zunehmend. Teams arbeiten parallel und liefern kontinuierlich Ergebnisse, und KI beschleunigt dies noch weiter. Was mit diesem Tempo jedoch oft nicht Schritt gehalten hat, ist die Art und Weise, wie Unternehmen Produktentscheidungen treffen. Die Reibungsverluste sind deshalb in die Planungs- und Priorisierungsphase gewandert.

Die eigentlichen Blockaden entstehen heutzutage lange bevor auch nur eine einzige Zeile Code geschrieben wird.

Wenn das Produktmanagement zur Vermittlungsinstanz wird

In vielen Unternehmen wird das Produktmanagement vor allem als Vermittlungsinstanz verstanden. Die Produktmanager:innen sammeln den Input aus den Fachbereichen, schreiben ihn auf und geben die Details dann an die Entwicklung weiter.

Das wirkt wie ein klarer Prozess, ist aber in der Praxis ein Fließband, das die nachgelagerten Bereiche gleich auf zwei Arten ausbremst.

Das erste Problem: Engineers konzentrieren sich zunehmend auf Output statt auf Wirkung. Wenn das „Warum“ auf dem Weg verloren geht, orientieren sich die Teams an Bereitstellungsterminen statt an den Geschäftsergebnissen.

Storys werden umgesetzt, doch möglicherweise nicht die richtigen. Die Geschwindigkeitskennzahlen klettern nach oben, während sich bei den wichtigen Metriken (Akzeptanz, Kundenbindung, Umsatz) kaum Fortschritte zeigen.

Das zweite Problem: Die Prioritäten werden durch Lautstärke bestimmt.

Fehlt ein strategischer Filter am Anfang des Prozesses, setzt sich die lauteste Stimme durch. Die Führungskraft mit ihrem Lieblingsprojekt, der Kunde, der mit Abwanderung droht, oder die Vertriebsleitung, die die Anforderungen aus dem zuletzt gewonnenen Deal priorisiert.

Die Roadmap verliert an Klarheit, Engineers springen von Initiative zu Initiative, und dem Produktportfolio fehlt eine kohärente Strategie.

Auf dem Dashboard sehen diese Probleme oft wie mangelnde Engineering-Geschwindigkeit aus. Tatsächlich handelt es sich jedoch um Herausforderungen im Produktmanagement, deren Auswirkungen erst später sichtbar werden.

Zwischen Business und Engineering – mit strategischer Verantwortung

Die Lösung für diese Probleme besteht darin, das Produktmanagement als eine geschäftliche und nicht als eine technische Funktion zu sehen. Zwar arbeitet keine andere Funktion so eng mit der Engineering-Abteilung zusammen, dennoch bleibt das Produktmanagement in erster Linie für die geschäftliche Perspektive verantwortlich.

Genau diese Position macht das Produktmanagement so stark. Sie sind der Punkt im System, an dem Kundensignale, Geschäftsstrategie und technische Realität in Echtzeit zusammenlaufen. Nur dort lassen sich diese drei Perspektiven miteinander in Einklang bringen.

Wenn das Produktmanagement strategisch und nicht rein koordinativ arbeitet, ändern sich zwei Dinge:

  • Engineers entwickeln nicht länger nur Features, sondern lösen konkrete Probleme, weil sie endlich verstehen, welche Herausforderungen wirklich relevant sind und warum.
  • Der strategische Filter am Anfang des Prozesses funktioniert wieder. Nicht mehr Lautstärke und subjektive Meinungen bestimmt die Prioritäten, sondern die angestrebten Ergebnisse.

Das Ergebnis sind bessere Produkte und eine schnellere Bereitstellung, denn der eigentliche Engpass war nie die Engineering-Kapazität. Vielmehr entstanden Verzögerungen dadurch, dass zunächst die falschen Dinge entwickelt wurden und später nachgebessert werden musste, sobald die Führungsebene erkannte, dass sie nicht den gewünschten Mehrwert lieferten.

Die Rolle von KI

Künstliche Intelligenz bringt schneller die Informationen ans Licht, auf deren Grundlage Produktentscheidungen getroffen werden. Sie kann unter anderem:

  • Muster in Nutzungsdaten aufdecken,
  • Kundenfeedback zusammenfassen,
  • Szenarien im Hintergrund ausführen,
  • Risiken erkennen, bevor sie eskalieren.

Richtig eingesetzt gibt KI den Produktmanager:innen eine ganz neue Form von Transparenz und Frühwarnsignalen. Doch KI übernimmt nicht die eigentliche Aufgabe des Produktmanagements, sondern beschleunigt lediglich die Informationsbasis.

Produktmanager:innen, die als Vermittlungsinstanz und nicht als strategische Treiber fungieren, nutzen KI als schnelleres Förderband. Falsche Prioritäten gelangen dann nicht seltener, sondern nur schneller durch das System.

Strategisches Urteilsvermögen bleibt eine menschliche Aufgabe – und genau dafür sind Produktmanager:innen verantwortlich. Aus diesem Grund muss das Produktmanagement im Zentrum des KI-Wandels stehen und bestimmen, wie KI eingesetzt wird, welche Lösungen damit entstehen und welche bewusst nicht.

Die erfolgreichsten Unternehmen werden nicht zwangsläufig diejenigen mit den leistungsfähigsten KI-Tools sein. Entscheidend wird vielmehr sein, ob ihre Produktmanager:innen KI nutzen, um bessere Entscheidungen zu treffen, und nicht, um ungeprüfte Entscheidungen schneller umzusetzen.

Produktmanagement: Der strategische Treiber Ihres Unternehmens

Das Produktmanagement hat heute eine Schlüsselrolle in Unternehmen, doch es gibt ein Problem: Noch nicht alle sind bereit, diese Rolle auszufüllen.

Wenn Produktmanager:innen ihre Zeit damit verbringen, Tickets zu schreiben, in Besprechungen zu sitzen und Genehmigungen der Stakeholder:innen einzuholen, fungieren sie weiterhin als Vermittlungsinstanz. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Bereitstellung dadurch verlangsamt wird. Wenn sie jedoch als Geschäftsstrateg:innen agieren und über die Daten, die Transparenz und das Betriebsmodell verfügen, die fundierte Entscheidungen ermöglichen, werden sie zu einem entscheidenden Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens.

Erfahren Sie mehr: Beth Weeks, Executive VP of Development bei Planview, und Louise Allen, Chief Product Officer, sprechen in einem Fireside Chat darüber, wie Produkt- und Engineering-Teams ihre Arbeit besser aufeinander abstimmen und auf Basis eines gemeinsamen Verständnisses agieren können. Sehen Sie sich das On-Demand-Webinar an.

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Verfasst von Brandon Harville

Brandon Harville ist Content Strategist bei Planview. Davor verbrachte er 5 Jahre damit, über agiles Projektmanagement zu schreiben. Er ist der festen Überzeugung, dass Kernwerte wie Empathie, Kommunikation und das Lernen aus Fehlern Agile zu mehr als nur einer Geschäftsphilosophie machen: Sie machen Agile-Prinzipien zu einer Lebenskompetenz.